Wie lange dauert Trauer?


Es gibt keinen festgelegten Zeitraum wie beispielsweise ein Jahr und dann ist die Trauer weg. Bei den meisten Menschen bleibt die Trauer für immer ein Teil ihres Lebens. Das heißt nicht, dass sie nie wieder lachen können. Mit mehr Abstand zum Todestag können sich Betroffene bewusster Zeit für ihre Trauer nehmen oder haben Rituale und bestimmte Feiertage in ihrem Leben etabliert. In der ersten Zeit ist das noch nicht möglich. Die Menschen sind überwältigt von ihrer Trauer und müssen gleichzeitig funktionieren, weil es so vieles zu regeln gibt und die Bestattung organisiert werden muss. Trauer verläuft auch nicht linear und bei jedem Menschen unterschiedlich ab. Auf eine Phase des Überlebens und Funktionierens, folgt z.B. eine Episode der aufkommenden Gefühle wie Wut, Trauer oder Fassungslosigkeit. Der Mensch braucht Zeit, die Endgültigkeit des Todes zu realisieren.

 

 

Wie kann ich einem trauernden Freund helfen?

 

Manche Menschen glauben, dass es für Trauernde am besten ist, sie in ihrer Trauer nicht zu stören. Viele Menschen wissen auch einfach nicht, wie sie mit einem trauernden Menschen umgehen sollen. Rückzug ist jedoch die schlechteste Variante. Wenn Sie wirklich für Ihren Freund da sein wollen, dann zeigen Sie Verständnis für seine Situation. Machen Sie ihm konkrete Angebote, wie Sie ihn unterstützen können z.B. auf die Kinder aufpassen, den Einkauf übernehmen, kochen oder zu einem Behördengang begleiten. Der gut gemeinte Satz „Ruf an, wenn du was brauchst“, ist wenig hilfreich, da der Trauernde keine Kraft dafür aufbringen kann. Sollte die Trauer über mehrere Monate genau so intensiv wie am Anfang oder sogar noch stärker anhalten, sind Sie eine große Hilfe, indem Sie sich über Hilfsangebote informieren. Überrumpeln Sie die trauernde Person nicht, sondern bieten ihr an, sie dorthin zu begleiten. Wenn Sie selbst trauern, können Sie ggf. nicht in dem Maße helfen, wie Sie gerne möchten. Übernehmen Sie sich nicht und helfen Sie so viel, wie es Ihnen möglich ist und sorgen Sie immer wieder auch für sich selbst.

 

 

Kindern den Tod erklären

 

Den meisten Menschen fällt es sehr schwer, über den Tod zu sprechen, da er hierzulande größtenteils als Tabuthema behandelt wird. Aber wie soll man Kindern erklären, wenn ein Mensch verstorben ist? Zuerst einmal gilt: Reden ist besser als nicht reden. Kinder merken, wenn Ihnen etwas verschwiegen wird und malen sich in ihrer Phantasie teilweise schlimmere Szenarien aus als die Realität tatsächlich ist. Gerade bei unnatürlichen Todesursachen wie Unfall und Suizid ist es wichtig, kindgerecht zu erklären, was passiert ist. Kinder fragen nur so viel, wie sie auch verstehen können, ansonsten widmen sie sich anderen Dingen und fragen nicht weiter nach. Im Alter von 4 bis 6 Jahren besitzt der Mensch ein magisches Denken und kann den eigenen Wirkungsbereich noch nicht genau eingrenzen. Deshalb kann es bei Kindern auch zu Schuldgefühlen kommen. Verwenden Sie beim erklären keine missverständliche Sprache wie „eingeschlafen, auf eine Reise gegangen, von uns gegangen“ usw., denn Kinder nehmen diese Formulierungen wörtlich und können dadurch neue Ängste (z.B. vor dem Schlafengehen) entwickeln.

Weitere Informationen in unserer kostenlosten Hausbroschüre.

 

 

Wie gehe ich mit einem trauernden Kollegen um?


Wenn ein Familienmitglied eines Kollegen verstorben ist, wissen viele Mitarbeiter nicht, wie sie damit umgehen sollen und meiden den Kontakt zum Trauernden. Diese Unsicherheit ist normal. Es ist jedoch angebracht, wenn Sie der trauernden Person zunächst in einem Kondolenzschreiben und beim ersten Wiedersehen persönlich Ihr ehrliches Mitgefühl aussprechen und Verständnis dafür aufbringen, dass die Arbeit nicht so zügig von der Hand geht, wie gewohnt. Trauernde Menschen verlieren durch den Schicksalsschlag ihren Halt im Leben. Statt Stress und Zeitdruck sollte man ihnen im Job deshalb Sicherheit geben. Ein menschlicher Umgang untereinander ist wichtig. Wenn der trauernde Kollege darüber sprechen möchte, haben Sie ein offenes Ohr, denn Trauer sollte nicht unterdrückt werden. Ansonsten können Spätfolgen für die Psyche und somit auch die Arbeitskraft des Menschen entstehen. Führungskräfte sollten akzeptieren, dass der Trauernde anfangs nicht so viel leisten kann wie zuvor und ihm ggf. mit Arbeitszeitverkürzung und zusätzlichen Urlaubstagen oder Freistellung zur Trauerfeier entgegenkommen.

 

 

Was soll ich auf eine Beileidskarte schreiben?


Wenn Sie den trauernden Angehörigen nahestehen und den verstorbenen Menschen gut kannten, sollten Sie sich für das Kondolenzschreiben in Form von Karte oder Brief genug Zeit nehmen. Neben der Beileidsbekundung ist es eine schöne Geste, seine Erinnerungen an den Verstorbenen zu teilen. Wie haben Sie ihn erlebt? Gibt es eine Geschichte, an die Sie sich gerne erinnern und die Sie teilen möchten? Wofür haben Sie die Person bewundert? Achten Sie auf wertschätzende Formulierungen und drücken Sie auch Ihre Trauer um den Verlust aus. Für die Angehörigen ist es ein gutes Gefühl, zu wissen, dass der Verstorbene von vielen Seiten sehr gemocht wurde und sie freuen sich über die Erinnerungen von Freunden, Verwandten, Kollegen und früheren Weggefährten.

 

 

Muss ich schwarz tragen oder zum Trauern auf den Friedhof gehen?


In der Trauer gibt es keine Regeln. Tun Sie das, was sich für Sie richtig anfühlt. Als Witwer oder Witwe müssen Sie nicht ständig schwarz tragen. Manche Menschen wollen Ihre Trauer nicht nach außen zeigen und das sollte von den Mitmenschen akzeptiert werden. Auf einer Trauerfeier ist es zwar üblich schwarze oder zumindest dunkle Kleidung zu tragen, aber manchmal ist dies ausdrücklich nicht erwünscht und wurde in den Trauerbriefen und Anzeigen entsprechend mitgeteilt. Aus Respekt gegenüber den engsten Angehörigen sollten sich die Trauergäste an diese Wünsche halten. Für die Zeit nach der Trauerfeier ist es kein Muss, zum Trauern das Grab aufzusuchen. Es gibt Menschen, denen es hilft, einen ganz bestimmten Ort zum Trauern zu haben, andere wiederum richten sich zu Hause eine Gedenkecke ein oder brauchen gar keinen festen Ort dafür. Lassen Sie sich nicht von anderen Menschen vorschreiben, wie Sie sich zu verhalten haben. Jeder Mensch trauert individuell.

 

 

Kinder am Geschehen teilhaben lassen


Für Kinder und Jugendliche ist es besonders wichtig, von den Eltern im Trauerprozess nicht ausgeschlossen zu werden, sondern an den Abschiedsritualen teilzunehmen. Wenn ein Elternteil stirbt, sollten Kinder die Möglichkeit bekommen, sich auch bezüglich der Trauerfeier und Beisetzung einzubringen z.B. mit Musikwünschen oder Gestaltungsideen für die Feier. Häufig möchten Eltern ihre Kinder schützen und entscheiden deshalb, dass die Kinder nicht an der Aufbahrung, Trauerfeier oder Beerdigung teilnehmen werden. Die Teilnahme an diesen Abschiedsritualen schadet einem Kind jedoch nicht. Ganz im Gegenteil: Auch Kinder wollen in Ihrer Trauer ernst genommen werden und lernen dadurch, was es bedeutet, wenn ein Mensch stirbt. Sie lernen den Tod zu begreifen. Ein offener Umgang mit dem Tod ist nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene für einen gesunden Trauerprozess förderlich.

Weitere Informationen zu diesem Thema in unserer kostenlosen Hausbroschüre.